Porto Alegre

Porto Alegre liegt nicht in Europa sondern in Brasilien. Die Stadt findet hier Erwähnung weil das dort entwickelte Konzept des Bürgerhaushalts von vielen Städten in Europa erfolgreich übernommen wurde. In  der EU ist das Konzept deshalb auch als "Porto Alegre in Europa" bekannt.

Porto Alegre ist eine der größten Städte Brasiliens und gilt als ökonomisches und kulturelles Zentrum des brasilianischen Südens. Die UNO hat eine Vergleichsstudie herausgegeben, aus der hervorgeht, dass die Stadt die beste Lebensqualität einer Großstadt in Lateinamerika bieten kann. Mittlerweile ist Porto Alegre neben Sao Paulo einer der wichtigsten Standorte für Niederlassungen internationaler Unternehmen. Aufgrund die günstigen Lage innerhalb des MERCOSUL dürfte sich dieser Trend in Zukunft noch verstärken - wer in Zukunft in Brasilien investieren wird, sollte keinesfalls ohne Porto Alegre, Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft 2014, planen. Porto Alegre hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, wie zum Beispiel das historische Zentrum der Stadt mit der Usina do Gasometro oder dem Mercado Publico, der aus dem Jahr 1869 stammt. Sehens- und erlebenswert ist zudem der wöchentlich stattfindende Markt, auf dem Produkte aus den Bereichen Lebensmittel – hier aus ökologischer Herstellung – und Kunsthandwerk verkauft werden. Zudem wird dabei ein Flohmarkt veranstaltet.

Im Jahr 2001 wurde in Porto Alegre ein Weltsozialforum durchgeführt. Bei dieser Gelegenheit präsentierte die Stadt ein Modell, in dem ihre Bürger über den kommunalen Haushalt mitentscheiden können. Bürgerhaushalt a la Porto Alegre gibt es seit 1989 unter dem Namen Orcamento Participativo. Er basiert auf drei Prinzipien: Basisdemokratie, Kontrolle durch den Bürger und soziale Gerechtigkeit. Die Bürger wissen um Entscheidungen der Politik und haben ein gewisses Mitbestimmungsrecht. Außerdem sind sie zwar nicht direkt in den Entscheidungsprozess eingebunden, können aber durch ihre Meinungsabgabe entscheidend dazu beitragen, wie eine Sache entschieden wird.

Porto Alegre hat sich durch die Beteiligung der Bürger entscheidend verändert. So wurde die öffentliche Infrastruktur verbessert, zum Beispiel in Bezug auf Bildung oder Trinkwasserversorgung. Die Zivilgesellschaft wurde ebenfalls verbessert, was die Eindämmung von Korruption und Vetternwirtschaft angeht. Durch das Vorbild von Porto Alegre wird genau gezeigt, wie ein Bürgerhaushalt funktionieren kann und es kam weltweit zu Nachahmern. Diese fanden sich nicht nur auf dem südamerikanischen Kontinent, sondern auch in Europa.